Von den Wollfäden auf der Spur – zu einer riesengroßen Spinnerei

Leise rollten die Wollknäuel über den Boden der Bewegungsbaustelle. Ein Faden hier, ein Faden dort – und langsam begann sich der Raum zu verwandeln. Was eben noch eine freie Fläche war, wurde zu einer Landschaft aus Linien, Farben und Wegen…….

…..aus einer einfachen Idee entstand ein großes „versponnenes“ Projekt.

Doch bevor wir in dieses „Erleben“ eintauchen durften, ging eine fast einjährige Sammelaktion voraus. 

Hierbei halfen viele Hände mit: Eltern, Nachbarn und Bekannte brachten angefangene oder aussortierte Knäuel von zu Hause mit und Woll- Geschäfte unterstützen unsere Idee. So wuchs im Eingangsbereich des Kindergartens nach und nach ein großer Haufen an unterschiedlichsten Wollknäueln und bunten Fäden heran. Diese Wollberge wurden von den Kindern nach Farben sortiert, die wachsende Menge bestaunt und das Material erfühlt, bevor die „Bewegungsbaustelle“ schließlich für vier Wochen zur „Woll-Welt“ wurde und damit unser gemeinsames Projekt, im Februar 2026, startete. 

In kleinen altershomogenen Gruppen begannen die Kinder, die Wolle quer durch den Raum zu spannen, vom Kasten zur Sprossenwand, zurück zur Bank und dann in die Höhe, über gespannte Seile an der Decke. Rote, blaue, gelbe und grüne Fäden zogen sich durch den Raum wie kleine Spuren. Manche hingen tief und luden zum Kriechen ein, andere führten hoch hinauf und verlangten Mut und Balance.

Was mit einzelnen Wollfäden begann, entwickelte sich schließlich zu einer riesengroßen Spinnerei. Die Bewegungsbaustelle im Kindergarten verwandelte sich nach und nach in ein dichtes, buntes Netz aus unzähligen Fäden – fast wie ein großes Spinnennetz, das die Kinder selbst gesponnen haben. 

Die Kinder bewegten sich vorsichtig und neugierig darin, folgten den Wollfäden mit den Augen und mit den Füßen. Sie krochen hindurch, stiegen darüber, tasteten sich weiter, als würden sie geheime Wege folgen. 

Jeder neue Faden veränderte die Landschaft ein wenig. Es entstanden Wege, die sich mit anderen kreuzten und wieder in neue Richtungen führten. Das Lachen, Staunen und gemeinsame Ausprobieren, wie z.B.: „Trägt uns das Netz, hält es mich fest……“ begleitete das Spiel der Kinder. 

Die Gruppe der Grünspechte, das sind unsere jüngsten Kinder im campus kinderhaus, erforschten die Wolle zunächst mit allen Sinnen. Sie fühlten, zogen, wickelten, warfen und spannten die Fäden durch den Raum. Daraus entstand schon bald das „Wollmonster“, das in fantasievollen Rollenspielen die Kinder einfing und herausforderte. Auch kreative Gestaltungen wie der Wurm Klaus, der zu vielen kleinen Figuren weiterentwickelt und an einer Wäscheleine aufgehängt wurde, fanden ihren Platz. Und Bewegungselemente zur klassischen Musik rundeten die Woche ab. 

Die „Wurzelzwerge“, das sind die 2 – 3 jährigen Kinder der Blaumeisen- und Rotkehlchengruppe, entdeckten die Wolle vor allem mit ihrem Körper. Sie krabbelten durch Fadengänge, bauten weiche Wollbetten, ließen sich einwickeln und genossen die unterschiedlichen Berührungen auf ihrer Haut. Die kleine Spinne „Imse Bimse“ wurde dabei zur täglichen Begleiterin ihrer Abenteuer und nahm die Kinder zum Abschluss mit auf eine entspannte Wollmassage. 

Die „Löwenzähne“, sind die 3- 4 jährigen Kinder aus der Blaumeisen- und Rotkehlchengruppe. Sie verwandelten die Bewegungsbaustelle in einen Dschungel aus Wollfäden. Zwischen den gespannten Schnüren entstanden Nester, Labyrinthe und neue Geschichten. Die Kinder stellten Vermutungen auf, entwickelten gemeinsame Ideen, bauten Konstruktionen und erfuhren dabei, wie sich Räume durch ihr eigenes Handeln verändern lassen.

Die ältesten Kinder, die 5- 6 Jährigen, des campus kinderhauses, unsere sogenannten „Pusteblumen“, nutzten die Wolle schließlich als Baumaterial für komplexe Projekte. Gemeinsam entstanden Häuser, Straßen und riesige Spinnennetze durchzogen die Halle. Die Kinder planten gemeinsam, trafen Absprachen und lösten Probleme, kooperierten und entwickelten ihre Ideen über mehrere Tage hinweg weiter. Aus einzelnen Wollknäueln entstanden ganze Fantasiewelten, die nur durch die Kreativität und das gemeinsame Handeln der Kinder möglich wurde.

Zum Abschluss jeder Woche, in der eine der Gruppen aktiv war, wurde die benutzte Wolle nicht einfach weggeworfen. Stattdessen schnitten die Kinder die Fäden mit den Kinderscheren ab und sammelten sie sorgfältig. Und so füllte sich nach und nach, ein großes Wollbecken, dass die Kinder zum Spielen und „Abtauchen“ einlud.

Mit diesem Erleben verlassen wir die Bewegungsbaustelle oder besser gesagt, unsere Wollspinnerei. Wir haben durch dieses Projekt einen besonderen Erfahrungsraum erlebt und eine Umgebung vorgefunden, die den Kindern Zeit und Raum gab, ihre Welt zu gestalten.

Vielen Dank an alle fleißigen Helfer, beim Sammeln der Wolle, so dass wir diese wertvollen Erfahrungen machen durften.

Birgit Robert