Pädagogische Ausrichtung

Als allgemeine Grundlage der pädagogischen Arbeit wird das „Gesetz zur frühen Bildung und Förderung von Kindern“ (Kinderbildungsgesetz NRW- KiBiz) zugrunde gelegt.

Das campus kinderhaus soll Kindern im Alter von 10 Monaten bis 6 Jahren als ein Lebens- und Lernraum dienen, in dem sich Kinder und Erwachsene auf den Weg begeben, um gemeinsam und im Miteinander wachsen zu können.

Ausgerichtet an den Lebenssituationen der Kinder und ihrem natürlichen Bewegungsdrang, orientieren wir uns auch an der Kleinkindpädagogik Emmi Piklers und der Pädagogik von Maria Montessoris.

Lebenssituationen der Kinder 

Innenräume der campus kita

Das Wesen des Kindes ist geprägt von genetischen Vorgaben, Reifungsprozessen, seinen zurückliegenden Erfahrungen, Erfahrungen in der Familie und der Tageseinrichtung: Es ergeben sich eine Vielzahl von Interessen, Bedürfnissen und Anforderungen, denen ein Kind täglich ausgesetzt ist und die von ihm bewältigt werden müssen. Neben der zugewandten Haltung der ErzieherIn  und ihrer Kompetenz, ist die „vorbereitete Umgebung“, mit einer entsprechenden Materialauswahl dabei sehr wichtig.  Orientiert an Beobachtungen der Kinder werden auch Lebensthemen der Kinder aufgegriffen und als Projekte angeboten. 

Ein Projektthema der Kinder könnte sein: „Als ich einmal krank war…“.

Nachdem wir bei den Kindern immer wieder beobachten und hören, wie ergriffen sie von Schmerzerfahrungen, Arztbesuchen und auch Krankenhauserlebnissen sind, entscheiden wir uns ihnen Angebote mit entsprechendem Rollenspielmaterial, Bilderbüchern, evtl. dem Einrichten einer Arztpraxis, eines Krankenhauses und „Gesundheitspflegemaßnahmen“ zu machen. So können wir den Kindern Gelegenheiten geben sich noch einmal spielerisch mit dem auseinander zu setzen, was sie erlebt haben und Hilfe zur Bearbeitung zu bekommen.

Das Verständnis der Kleinkindpädagogik Emmi Piklers

Emmi Pikler, ungarische Kinderärztin (1902-1984), formulierte in ihren langjährigen Erfahrungen und Forschungen als Familienärztin und langjährige Leiterin eines Kinderheimes wichtige Erkenntnisse und Handlungsansätze für ein gesundes Aufwachsen von kleinen Kindern. Ihre Forschungen und ihre Praxiserfahrungen zeigen, wie die frühkindliche Entwicklung von kleinen Kindern kompetent unterstützt und begleitet werden kann, so dass auch Kinder, die schon im Kleinkindalter außerhalb der Familie betreut werden, physisch und psychisch gesund bleiben können. 

„Ist das Kind satt an Beziehung, ist es frei zu spielen.“
– E. Pikler

Damit es gelingen kann, dass die Kleinkinder sich in sicheren Beziehungen geborgen fühlen und lernen, sich aus eigener Initiative gemäß ihren Interessen zu bewegen und zu spielen, bedarf es einer achtsamen und respektvollen Haltung des Erwachsenen dem Kind gegenüber und einer entwicklungsentsprechenden, vorbereiteten Umgebung.

Eine wichtige und notwendige Grundlage für die emotionale und soziale Befriedigung  frühkindlicher Bedürfnisse  ist ein achtsamer und feinfühliger Dialog, auch während der täglichen Pflegesituationen, wie z.B. des Wickeln, des Essen, des Schlafen oder beim An- und Ausziehen. Emmi Piklers Grundannahme war: wenn ein Kind mehrmals am Tag eine feinfühlige Pflegesituation erfährt, fühlt es sich wohl, sicher und geborgen. Es nimmt aktiv an den Pflegesituationen teil und erlebt dabei seine Kompetenz und seine Selbstwirksamkeit. Es hat Freude und Ausdauer am „Gemeinsamen-Tun“.  Ist es satt an Beziehung, kann es seinen eigenen Interessen folgen und eigenaktiv tätig sein.

Das Verständnis der Montessoripädagogik 

Maria Montessori (1870-1952) beschäftigte sich vorwiegend mit etwas älteren Kindern und deren Entwicklung. Sie hat bei ihren Beobachtungen festgestellt, dass die Kinder aus einen „inneren Bauplan“ heraus geleitet werden und die kindliche Entwicklung in „sensiblen Phasen“ verläuft.

„Die Aufgabe der Umgebung ist nicht, das Kind zu formen, sondern ihm zu erlauben, sich zu offenbaren.“
– Maria Montessori

Die Aufgabe der Erzieherin ist hierbei, das Kind präzise zu beobachten, um u. a. seine Bedürfnisse zu erkennen und ihm dafür eine „vorbereitete Umgebung“ zur Verfügung zu stellen. 

Maria Montessori sieht den Menschen als ein aktiven Baumeister seiner Selbst. Sie ist überzeugt von der eigenen Schöpferkraft des Menschen: Hilf mir, es selbst zu tun.

Das Kind will lernen und will sich entwickeln .

Die Ausrichtung an der Pädagogik Emmi Piklers und Maria Montessoris beinhaltet auch einen weiteren Schwerpunkt unsere Kinderhauses:

Kinder zeigen große Bewegungsfreude:
Kinder lernen in und durch Bewegung

Für ihre geistig-körperlich-seelische Entwicklung  ist die alltägliche, vielseitige Bewegungsmöglichkeit von großer Bedeutung.

In dem sie mit ihrem gesamten Körper, mit allen Sinnen, ihr Umfeld begreifen, begreifen sie die Welt. Sie wollen sich die Welt einverleiben.

Ihre Gehirnentwicklung ist maßgeblich von Bewegung und sinnlichen Körpererfahrungen abhängig. So entstehen die neuronalen Vernetzungen,  die ihre sprachliche Entwicklung, Konzentrationsfähigkeit, mathematisches Denken und ihr späteres schulisches Lernen, fördern.

In einer Zeit, in der Kinder vielfach fremdbestimmt von Ort zu Ort getragen, gefahren und geführt werden und ihre Umgebung nicht kindgemäß  genug ist, erhalten sie zu wenig solcher Anregungen.

Das ständiges Bestreben des Kindes eigene, sinnvolle Bewegungs-Erfahrungen zu machen, haben eine prägende Auswirkung auf das Lebensgefühl und die Lebensfreude.