Förderung der sprachlichen Entwicklung

Sprachentwicklungsbegleitung und -förderung ist laut Kinder-Bildungsgesetz ein wesentlicher Bildungs-Auftrag des Kindergartens. Sprache ist die Kommunikation der Menschen und mit vielen Bildungs- und Entwicklungsbereichen wechselseitig verbunden. 

Sie umfasst die Förderung…

  • des Wortschatzes,
  • der Artikulation,
  • eines guten Satzbaus und
  • der Sprechfreude.

Ein Teil der Sprachfähigkeit ist von Reifungsprozessen, z.B. – der Sprechwerkzeuge, abhängig und auch genetisch bedingt. Aber ein großer Teil der sprachlichen Fähigkeiten wird von der Umwelt, dem Elternhaus und dem Kindergarten beeinflusst.

Grundlagen einer guten Sprachentwicklungsbegleitung sind:

  • Eine warmherzige, zuwendungsbetonte, freudige Atmosphäre. Sie ist, auch bei der Sprachentwicklungsförderung, unbedingte Voraussetzung und Motivation Gespräche zu beginnen und aufrechtzuerhalten. Die Erzieherinnen begegnen dem Kind mit Aufmerksamkeit und Interesse und geben ihm Zeit bei seiner Sprach- und Wortfindung. Denn es braucht ein „Gegenüber“, die Erzieherin/Eltern, die ihm wirklich zu hören, es verstehen wollen und sich so lange zuwenden, wie das Kind etwas mitteilen möchte. Zunächst zählt die Botschaft, nicht die korrekte Aussprache, der Satzbau oder die Wortwahl. „Falsche Aussagen“ werden nicht bemängelt, sondern durch ein korrektives Feedback noch einmal in den Fokus gesetzt.
  • „Aus der Sicht des Kindes muss es sich lohnen zu sprechen“! Das Kind sollte die Erfahrung machen, dass es etwas erreicht mit seinen Wortbeiträgen, dass seine Worte etwas bewirken!

Das Kinderbildungsgesetz fordert „die alltagsintegrierte Sprachförderung“, wie wir sie anbieten. Im Alltag wird ihnen die Bildungsmöglichkeit, Sprache zu erfahren, anzuwenden und weiterzuentwickeln, eröffnet. Neben der Schaffung einer freudigen Lernatmosphäre gibt es folgende Angebote zum alltäglichen Tagesablauf:

1. Vielfältige Bewegungsangebote, an unterschiedlichsten Orten, zu jeder Zeit, denn auch Begriffe zu bilden, ist von ganzkörperlichem „Begriffen-haben“ abhängig. Ein Kind muss Begriffe zunächst körperlich mit allen Sinnen „begreifen“, um diese Begriffe nutzen zu können. So muss es körperlich intensiv die Positionen „unter- über- zwischen“ erlebt haben, um sie der Bedeutung entsprechend nutzen zu können. Es sollt einen Traktor, aus nächster Nähe gespürt, gehört und auch detailliert „erfasst“ haben, um ihn detailliert in Begriffe zu fassen.

Grundsätzlich tragen „körperlich packende, emotional starke Erlebnisse“ zur   Wortschatz- und Spracherweiterung bei. Auch das Handeln der Erzieherin wird  sprachlich begleitet, sodass Begrifflichkeiten mit Handlungen verbunden und verstanden werden. So begleiten unsere Fachkräfte auch die jüngsten Kinder in Wickelsituationen. Sie lassen ausreichend Raum und Zeit für Reaktionen der Kinder und wertvolle Dialoge entstehen.

Abschließend erwähnenswert zur Bedeutung von Bewegung als sprachfördernder Baustein aus unserer Sicht, ist es auch, dass motorische Erfahrungen die Denkstrukturen, Voraussetzungen z.B. für Sprache, unterstützen.

2. Das tägliche Treffen im morgendlichen Singkreis ist ein weiteres alltägliches Angebot zur Anregung der Sprechfreude. Das Singen lässt die Sprache leicht und beiläufig fließen. Mit abwechslungsreichen Liedern, Reimen und Fingerspielen ist die Sprachfreude der Kinder anzuregen. Singend ergibt sich täglich ein wertvolles Sprachübungsfeld: 

  • Die Liedertexte prägen sich durch Wiederholung ein und werden in den Sprachgebrauch aufgenommen. 
  • Die Artikulation der Texte beim Singen ist oft sehr ausgeprägt und trainiert die Sprechwerkzeuge für klare Aussprache. 
  • Im täglichen Morgenkreis werden auch die Tagesaktivitäten vorgestellt: Kinder sind eingeladen ihre Wünsche und ihre Interessen zu benennen und sich einzubringen. So erleben sie dort ihre Wirksamkeit, sich sprachlich auch in einer Gruppe mitzuteilen.
Leseecke

3. Besonders sprachanbahnend ist es auch: 
Bilderbücher anzuschauen, – erzählt zu bekommen und dann –  darüber „ins Plaudern“ zu geraten. In einer Kleingruppe, in entspannter Nähe zum Erwachsenen, entsteht oft schönes Erzähl– und Gesprächsklima für Kinder aller Altersstufen.

  • Vielfältige Inhalte und Themen in Büchern sprechen individuellen Interessen und Themen der Kinder an und spiegeln ihre Interessen wider.
  • Die Kinder zeigen mit einzelnen Wortbeiträgen ihre innere Beteiligung, „sie teilen sich mit“ und ein engagierter Dialog entsteht.
  • Körperlich-sinnlich begriffene Erfahrungen werden durch Bücher wachgerufen, vertieft und zunehmend in den Wortschatz des Kindes aufgenommen.
  • Ein „Kamishibai“ ermöglicht den Kindern Bildkarten selbst zu beschreiben und selbst eine Geschichte zu entwickeln, welche einer Kindergruppe erzählt werden kann.

4. Grundsätzlich bietet das „Freispiel“ den Kindern die Möglichkeit ihren besonderen Interessen nachzugehen, sich ihre Spielpartner interessenbezogen zu suchen und mit ihnen ein gemeinsames, bzw. paralleles Spiel zu beginnen. So werden im Rollenspiel verschiedene Rollen angenommen, – Sprachmelodien verwendet, das Erlebte verarbeitet, Spielideen geäußert und auch Konflikte gelöst. „Polizei-, Krankenhaus- und Supermarktspiele“ sind herausfordernde Sprechzeiten.

5. Die Essenssituation im Kindergarten ermöglicht ein breitgefächertes Sprachangebot und fördert die sprachliche Entwicklung. Der Vorgang des Essens allein trainiert bereits die Mundmotorik. Für gute Mundmotorik und kraftvolle Sprechwerkzeuge sind regelmäßiges  

  • 1mal wöchentliches, lustiges Spagetti-schlürfen zu empfehlen,
  • auch kauintensives Zermahlen von knackigen Lebensmitteln 
  • und auch blubbernde Pustespiele machen viel Spaß und sind einzuplanen.

Natürlich ist auch die gemeinsame Ess-Runde eine schöne Gelegenheit für sprachliche Verständigung. Es entstehen Dialoge, Problem- und Lösungsstrategien werden erörtert und Bedürfnisse geäußert: „Ich habe noch Durst, würdest du mir bitte die Karaffe mit Wasser geben?“ 

6. Und auch bei der Sprachentwicklung gilt: Sprachanwendung lernen die Kinder auch durch die Vorbilder der Erwachsenen. Die pädagogischen Fachkräfte behalten dabei ein natürliches Sprachverhalten, sprechen in ganzen Sätzen und leben Sprechfreude vor. 

Einmal jährlich wird jedes Kind in unserer Einrichtung von den dafür geschulten Erzieherinnen nach einem Dokumentationsverfahren für Sprachentwicklung überprüft. Dazu gehört auch der anschließende Austausch mit den Eltern. Auffälligkeiten bei den Kindern werden wechselseitig benannt, Unsicherheiten, Empfehlungen und unterstützende Maßnahmen angesprochen, wie z.B. den Kinderarzt als Ratgeber einzubeziehen und evtl. eine „Überprüfung der Sprechwerkzeuge, usw.“ durch Logopäden oder andere Fachkräfte einzuleiten.