Mittagsschlafzeit der Kinder im Kinderhaus

Am Anfang einer Kindergartenzeit steht zunächst für alle Kinder die sensible Phase der Eingewöhnung, in der sich das Kind bei uns einlebt und sich „wohlfühlen“ kann. Im Anschluss daran schließt sich folglich eine längere Betreuungszeit bis zum Mittagessen an. Schließlich, nach ca. 3 Monaten – manchmal früher, manchmal später – können auch die ersten Versuche folgen, das Kind im Kinderhaus zum Mittagsschlaf zu begleiten. Uns ist es an dieser Stelle ein wichtiges Anliegen, Euch über die Bedeutung des Schlafens zu informieren und zu beschreiben, wie wir diese sensible Phase feinfühlig begleiten. Grundlegend ist hier zu erwähnen:

Schlafen ist ein elementares Grundbedürfnis von Kindern

Es ist genauso maßgeblich für ihre gesunde, körperlich-geistig-seelische Entwicklung wie auch

  • eine vertrauensvolle Beziehung zu ihrer Bezugserzieherin,
  • ausreichend und vielfältige Bewegung,
  • auf die Bedürfnisse der Kinder (vor-)bereitete Umgebung und
  • gesunde, ausgewogene Ernährung.

Wertvolle Gehirnprozesse, wie z. B. die Verarbeitung von Erlebtem, die Speicherung von Lernerfahrungen und auch die Konzentrationsfähigkeit des Kindes, sind maßgeblich von ausreichendem Schlaf abhängig.

„Wenn ein Kind nicht genug Schlaf bekommt, kann dies negative Auswirkungen auf die geistige und körperliche Entwicklung haben. Nur wenn sich das Gehirn zwischendurch entspannen kann, sind Kinder lern- und aufnahmefähig.“
Auch wie viel Schlaf ein Kind benötigt, ist entwicklungs- und persönlichkeitsabhängig. „In der Phase vom neunten bis zum 18. Monat zum Beispiel machen Kinder auf allen Ebenen riesige Fortschritte. Sie lernen zu robben, zu krabbeln oder zu laufen und erweitern so ihren Bewegungsradius. Ihr Selbstbewusstsein und ihre Beziehungen zu anderen Kindern verändern sich mit der motorischen Entwicklung. Diese neuen Erfahrungen führen zu einem erhöhten Schlafbedarf und werden in Träumen verarbeitet.“

Quellen:
Der Einfluss von Mittagsschlaf auf die kindliche Entwicklung (Akademie München), Mittagsschlaf für Kinder: So wichtig ist das tägliche Nickerchen (kita.de).

Daraus ergibt sich folglich auch, dass wir Kinder nicht vom Schlafen abhalten bzw. frühzeitig aus dem Mittagsschlaf wecken. Wir sehen in unserem Alltag, dass Kinder nach ihrem Mittagsschlaf erholter, zufriedener und aufnahmefähiger sind. Sie können Herausforderungen des Gruppenalltags besser meistern, zeigen eine höhere Frustrationstoleranz und beteiligen sich aktiv am Geschehen.

Wie wir einzelne Kinder in einen erholsamen Schlaf begleiten, wird auch mit den Eltern im Rahmen der Eingewöhnungsgespräche in den Blick genommen.

Im häuslichen Umfeld gibt es oftmals bestimmte Einschlafrituale, wie z. B.:

  • Manche Kinder finden beim Stillen in den Schlaf,
  • andere werden auf dem Arm der Mutter oder des Vaters getragen, bis sie einschlafen, oder sind es gewohnt,
  • mit einer ganz bestimmten Musik in den Schlaf begleitet zu werden,
  • usw.

Die Bedürfnisse der jungen Kinder im Kinderhaus sind also erfahrungs- und persönlichkeitsbedingt unterschiedlich. Während einige Kinder schon frühzeitig jede Gelegenheit nutzen, um zu schlafen, brauchen andere Kinder längere Zeit, sich „in Sicherheit zu wiegen“, loszulassen und schließlich einzuschlafen. Innerhalb des Kindergartenalltags mit bis zu elf Schlafkindern sind nicht alle individuellen Schlafrituale umsetzbar. Sie müssen zuvor zu Hause so entwickelt bzw. erlernt werden, dass wir sie auch im Kinderhaus anbieten können.

Wie können wir im Kinderhaus die Schlaffindungsphase der Kinder unterstützen?

  • Indem wir die individuellen Bedürfnisse der Kinder zuvor mit den Eltern in den Blick nehmen und gemeinsam die Möglichkeiten ausloten.
  • Wir haben ausreichend Fachkräfte mit viel Erfahrung, die in einer verlässlichen Beziehung zu den Kindern stehen und die Kinder in Ruhe in den Schlaf begleiten.
  • Das Kind durch Streicheln an Händen oder über den Rücken zu beruhigen, können wir anbieten.
  • Häufig braucht ein Kind sein „Kuscheltier oder -tuch“. Auch ein getragenes Kleidungsstück mit dem vertrauten Geruch nach Papa oder Mama kann gerne mitgebracht werden.
  • Eine Fachkraft, anfänglich auch mehrere, bleiben im Schlafraum und können unmittelbar einzelne Kinder unterstützen.
  • Ein kleines, sanftes Licht im Schlafraum bietet auch im Halbschlaf Orientierung.
  • usw.

So kann das Schlafen im Kindergarten gelingen und zu einem „positiven“ Erleben bzw. Ausruhen werden.

Wenn das Kind jedoch trotz vielseitiger Bemühungen und genügend Zeit nicht ausreichend Schlaf (verglichen mit dem häuslichen Mittagsschlaf) oder gar keinen Schlaf im Kindergarten bekommt, da es sich im Rahmen des Gruppenalltags noch nicht in den Schlaf begeben kann, muss der Mittagsschlaf wieder zu Hause stattfinden, um eine gesunde Entwicklung des Kindes zu gewährleisten.

Liebe Eltern:
Schon vor Beginn der Neuaufnahme bzw. vor der Eingewöhnung möchten wir Euch hiermit auf diese besonders sensible Thematik im Rahmen der Betreuung bei uns aufmerksam machen. Wir können keine Vorhersagen darüber geben, wann Euer Kind seinen Mittagsschlaf bei uns machen kann. Wir bitten Euch, dies im Vorfeld zu bedenken und ggf. häusliche Betreuungszeiten für den Mittagsschlaf des Kindes vorzusehen sowie Absprachen mit Partner/in oder Arbeitgeber/in zu treffen, um einen erholsamen Mittagsschlaf zu ermöglichen. Solltet Ihr zu dieser Themenstellung Fragen haben oder Besonderheiten mitteilen möchten, sprecht uns gerne an.